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Süd- Thailand:

Inselleben auf Koh Phayam

 

02.12.10 – 30.04.11

 

Fast 5 Monate paradiesisches Inselleben. Was kann ich darüber schreiben? Und soll ich überhaupt? Manch einer meinte schon: „Schreib bloß nicht wie schön das hier ist, denn wenn es alle wissen, dann ist es bald nicht mehr paradiesisch.“Also gut:: Es gibt hier keinen Strom, außer stundenweise vom laut ratternden Generator, wenig Wasser, meist kommt es braun aus der Leitung, die meisten Unterkünfte sind einfachste Bambushütten wo man auch in der Nacht von krabbelnden Lebewesen besucht wird, die Königskobra fühlt sich hier pudelwohl und während unseres Aufenthaltes gab es einige Dengue- und Chikungunya-Fieber- Fälle. Vielleicht schreckt das ja schon einige ab.

Uns hat die Insel fasziniert. Wir waren begeistert von ihrer Ursprünglichkeit, ihrer schönen Natur, den tollen Stränden, dem wunderbaren hellblauen und klaren Meer mit einer Wassertemperatur von 29 – 32 Grad, den netten Inselbewohnern, unserem super Bungalow und dass es hier keine Autos und keinen Stress gibt.  

      

Aber jetzt erstmal der Reihe nach.

Am letztmöglichen Tag unseres Visums (wir wollten's bis zur letzten Sekunde auskosten!) haben wir Laos verlassen und sind von Pakse mit einem Kombi-Bus-Bahn-Ticket nach Bangkok gefahren. Obwohl wir unterwegs 4 x das Fahrzeug wechseln mussten (Minibus, Reisebus, Taxi, Nachtzug) hat alles super geklappt . Natürlich, wir sind ja in Südostasien und nicht in Südamerika. Und ca. 20 Stunden später sind wir früh am Morgen ausgeruht im größten Moloch von Thailand angekommen.

Im Tuk-Tuk ließen wir uns in die Gegend rund um die Khao-San-Road bringen wo wir uns ein Hotel suchten. Das war diesmal gar nicht so einfach, denn die meisten waren ausgebucht. Von Touristenmangel nach den Unruhen im letzten Jahr war jedenfalls nichts mehr zu merken. Am Abend schoben sich die Menschenmassen durch die Khao-San-Road und an den Straßenständen wo man gut und günstig essen kann, war kaum ein Sitzplatz zu bekommen. Klar, Weihnachten ist hier Hochsaison und die Maßnahme der Thai-Regierung die Visa kostenlos auszugeben, scheint sich auch zu rechnen. Wir landeten schließlich im 4. Stock des Siam 2 Hotels hinter dem Wat, wo wir uns für 3 Tage einmieteten.

In den nächsten Tagen tätigten wir ein paar Einkäufe und buchten unseren Rückflug nach Hause für Ende nächsten Jahres, denn wir haben bei der Air Asia ein supergünstiges Angebot von Kuala Lumpur nach Paris für nur 240 Euro entdeckt. Klar, dass wir da zuschlagen mussten.

Bangkok-Sightseeing schenkten wir uns, dazu waren wir schon zu oft hier und fuhren nur mit dem Boot auf dem Chao-Phraya-Fluss nach China-Town um dort die vielen kleinen Marktgässchen zu durchstöbern. Schon nach zwei Stunden kehrten wir ziemlich entnervt zurück, denn diese Menschenmengen, die sich neben den Mopeds durch die engen Gassen schieben, diesen Lärm und diese Abgase waren wir gar nicht mehr gewohnt. In diesem Moment sehnten wir uns nach dem geruhsamen Laos. Na ja, wenigstens hatte Bruno ein paar Schuhe für sich gefunden.

      

Miterleben durften wir auch den 83. Geburtstag des geliebten thailändischen Königs Bhumipol. Überall in der Stadt waren „Altäre“ mit seinem Bild und Blumenschmuck aufgebaut und jeden Abend war der Nachthimmel durch Feuerwerk und aufsteigende Kerzen-Lampions erleuchtet. Hoffentlich lebt er noch ein paar Jahre, denn er soll schwer krank sein und wird auch im Fernsehen nur noch im Rollstuhl sitzend gezeigt. Wie es nach seinem Tod weitergeht weiß keiner und viele befürchten dann den Ausbruch heftigster Auseinandersetzungen der rivalisierenden politischen Gruppierungen. Der König ist in diesem Land eine äußerst geschätzte und wichtige Person, der es mit viel Umsicht immer wieder verstanden hat, politische Konflikte bei zu legen, während sein Sohn eher negative Schlagzeilen macht und um den Thron an die Tochter weiter geben zu können, die auch allseits geschätzt wird, bedarf es erst einer Gesetzesänderung zur Thronnachfolge. In einem Land, in dem Traditionen so hoch gehalten werden, wird das wohl kaum einfach werden.

     

Nach 4 Tagen im stinkenden und lauten Moloch Bangkok waren wir nun doch reif für die Insel und so buchten wir am 05.12. den bequemen Nachtbus nach Ranong an der Westküste, wo wir früh um 7.00 Uhr am Pier nach Koh Phayam ankamen. Zusammen mit uns bestiegen noch zwei deutsche Pärchen, Cynthia und Michel, sowie Marén und Matze das Boot zur Insel. Wir alle hatten bereits vorab per Internet eine Unterkunft auf Koh Phayam gebucht, denn überall hatte es geheißen, dass die Insel um die Weihnachtszeit rappelvoll ist und die besten Bungalows schon früh an die vielen Langzeitgäste vergeben werden. Und so verteilten wir uns dann auch 2 Stunden später, nach Ankunft des Bootes, quer über die Insel, die übrigens 8 km lang und 4 km breit ist.

       

     

Hier gibt es keine Autos, nur Motorrad-Taxis, die bei Ankunft des Bootes in Reih und Glied am Pier auf ankommende Gäste warten. Dann klemmt sich der Fahrer den Rucksack zwischen die Beine, man selbst steigt hinten auf und schon bekommt man seine erste Sightseeing-Tour rund um die Insel.
Bereits auf dieser ersten Fahrt habe ich mich total verliebt: Ganz kleine Sträßchen, nicht mal 2 m breit, auf denen höchstens 2 Mopeds aneinander vorbei passen, längst nicht alles asphaltiert, ein paar Holzhäuser, kleine einfachste Restaurants, viele Kautschuk- und Cashewnussbäume und ansonsten nur üppiges tropisches Grün. Das war ja noch besser als ich zu hoffen gewagt hatte.

     

       

Wir landeten am Longbeach im Aow Yai Resort, wo wir für 4 Tage gebucht hatten. Es war ein schöner großer Bambus-Matten-Bungalow, inmitten eines Kokosplamenhains und von unserer großen Terrasse aus hatten wir einen ungehindert schönen Blick auf das Meer.
Der Bungalow war gepflegt, das Bett gut, das Moskitonetz groß und, man staune, sogar ohne Löcher. Strom gab es nur von 18.00 – 23.00 Uhr, das Bad war auch am Tag dunkel, es gab keine Klospülung und im alten fleckigen Spiegel hat man sich auch bei Licht kaum erkennen können. Für ein paar Tage ist das alles o.k., aber für einen längeren Aufenthalt wünschten wir uns schon ein wenig mehr Komfort. Schließlich wollten wir hier überwintern.

      

      

Und so machten wir uns schon am nächsten Tag auf die Suche. Erst sahen wir uns alle Anlagen an unserem 3 km langen Strand an, dann mieteten wir uns ein Moped und besuchten auch die anderen Strände der Insel. Manche Anlagen gefielen uns ganz gut, aber irgendwie passte es nie so wirklich, bis wir zum Buffalo Bay Vacation Club kamen. Zwischen Dimitri, dem Resortbesitzer und uns gab es sofort einen Draht und als er uns sein Angebot unterbreitete, schlugen wir gleich zu. Ja, das war's. Hier stimmte alles. Der super Standard des Bungalows, der günstige Preis, der schöne weiße Strand und das Meer, das eher an eine Riesenbadewanne erinnerte.

     

     

Zwei Tage später zogen wir ein. Geplant war erstmal für 2 Monate. Doch immer, wenn unser Auszugstermin näher rückte, fing Bruno an zu jammern, redete von „Vertreibung aus dem Paradies“ und dann haben wir doch noch mal verlängert, bis es nun schließlich fast 5 Monate geworden sind. Zuletzt hat uns Dimitri sogar das Management über seine Anlage angetragen, denn er selbst würde gern in der Nebensaison in sein Haus nach Chiang Mai im Norden Thailands gehen. Aber das haben wir dann doch nicht gemacht, denn wenn es hier in der Monsunzeit nur noch regnet, wollen wir auch nicht bleiben.

Wie immer, wenn man länger an einem Ort bleibt, stellte sich auch bei uns recht schnell ein gewisser Tagesablauf ein. Meist standen wir schon bei Sonnenaufgang (6.30.Uhr) auf, denn wir lieben den frühen Morgen in den Tropen, wenn die Natur erwacht. Um 7.30 haben wir uns einen Kaffee im Restaurant geholt und dann war Birdwatching-Time. Von unserem Bungalow aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf die hohen Bäume in unserer Umgebung und das erste Highlight des Tages war der große Schwarm von Nashornvögeln, der sich dort regelmäßig niederließ. Es sind wunderbare große Vögel , die ganz liebevoll miteinander umgehen und sich beim Liebesspiel gegenseitig kleine rote Beeren in ihre überdimensionalen Schnäbel reichen. Sie sind neben der Cashewnuss auch das Wahrzeichen der Insel, denn ansonsten sind sie wohl nicht so oft in freier Natur zu sehen. Ausgestattet mit einem kleinen Fernglas ließen sich auch die anderen vielen kleinen bunten Vögel und die majestätischen Brahminenweihen, eine große Habichtsart, gut beobachten und einige stellten sich sogar für ein Fotoshooting zur Verfügung.

          

      

Danach Frühstück im Restaurant mit Blick aufs Meer und sehen wann die Flut ihren Höchststand erreicht, denn dann war das Schwimmen am schönsten. An unserem Strandabschnitt gab es einen großen Tide-Unterschied und bei Ebbe war das Meer bestimmt um 1 km zurückgegangen. Sobald das Wasser da war, hielt uns nichts mehr, denn dann war schwimmen und planschen angesagt. Da es kaum Wellengang gab, war die bevorzugte Schwimmstellung von allen, die sich da im Wasser tummelten, der „tote Mann“ und weil es so angenehm warm war, paddelten wir oft stundenlang bis alle runzlige Finger hatten, erzählten uns lustige Geschichten und nannten es unsere tägliche Tratschrunde. Egal, wie alt wir alle waren, im Wasser wurden alle wieder zu Kindern. Den Rest des Tages verbrachten wir im Schatten lesend und wir erkundeten mit dem Moped die Insel.

       

Die meisten Menschen leben hier noch vom Kautschuk- und Cashewnuss-Anbau, und das bergige Inselinnere ist noch sehr urwüchsig. Die Cashewnuss, die außen an einer Scheinfrucht dran hängt, wird hier aber nur geerntet und getrocknet, denn ihre Schale enthält eine extrem ätzende Flüssigkeit und zum Schälen und Rösten werden sie deshalb aufs Festland gebracht.

       

Neben den unglaublich vielen Vögeln fühlen sich auch Schlangen hier sehr wohl. Deshalb sollte man auch nachts auf Spaziergänge durch unwegsames Gelände verzichten, zumal durch den fehlenden Strom eh alles stockdunkel ist. Einmal hätten wir mit dem Motorrad beinahe eine große Königskobra überfahren, die sich aber gerade noch rechtzeitig durch einen Riesensprung von der Straße gerettet hat. Nicht nur sie, auch wir waren ganz schön erschrocken und ab diesem Zeitpunkt wesentlich achtsamer wo wir hintraten oder fuhren.

Viele Wege auf der Insel sind nicht asphaltiert, dafür sandig, nach Regen matschig und extrem schmal und steil. Mit dem Moped eine echte Herausforderung.
Unsere Lieblingsplätze waren die Hippiebar, die vollständig aus Schwemmhölzern gebaut ist und die Monkey-Bay, nach unserer Meinung mit der schönste Strand der Insel, wo man auch oft Affen zu Gesicht bekommt. Aber nach 19.00 Uhr, also nach Sonnenuntergang, vermieden wir diese Fahrten, denn das war uns zu gefährlich, zumal es auch keinerlei Straßenbeleuchtung gab. Fast jeder ist hier schon mal mit dem Moped abgeschmiert. Auch wir sind einmal umgefallen, weil wir einem entgegenkommenden ausweichen mussten und dabei vom erhöhten Asphaltweg abgekommen sind. Zum Glück ist uns außer ein paar kleinen Abschürfungen nichts passiert.

     

Die Abende verbrachten wir meist auf unserem Balkon mit Musik, ab und an einem Gläschen Rotwein und vielen anderen Reisenden, die wir hier kennengelernt haben. Es gab so viele schöne und lustige Abende. Obwohl unser Balkon echt klein war, saßen wir einmal sogar mit 5 Personen hier und haben auch noch getanzt. Viele interessante und sympathische Menschen haben wir kennengelernt, die ich gar nicht alle aufzählen kann und die meisten waren Deutsche, Schweizer oder Österreicher, denn seit die Insel im Stefan Lohse-Reiseführer als Highlight-Tipp steht, wimmelt es hier nur so von Deutschen.
Da gab es erst Cynthia und Michel, sowie Marén und Matze, die wir schon auf dem Boot kennengelernt hatten und mit denen wir Doppelkopf gespielt haben, dann Gertraud, schon 67 und seit ihrem 16. Lebensjahr am Reisen. Ich glaube, es gibt kaum einen Ort auf dieser Welt, den sie noch nicht gesehen hat und seit sie pensioniert ist, entflieht sie jedes Jahr für 4 Monate dem deutschen Winter. Wenn man erst mal angefangen hat, lässt einem die Sucht des Reisens wohl nie wieder los.

       

Dann kamen Corinna und Gerd, der uns netterweise seine DVD-Filme überlassen hat, Helge und Uli, Andi und Detlef, mit dem wir Skat spielen konnten, Sigi und Christiane, die neben uns wohnten, Simone und Roman, Chrissi, Sandra und André, Fritz und Ernie, zum ersten Mal in Thailand,  später auch ihre Tochter Elisabeth und ihr Schwiegersohn Stefan. Für Stefan endete die Reise nicht so glücklich, denn er hat sich Dengue-Fieber eingefangen und musste 2 Tage vor ihrem geplanten Rückflug noch ins Krankenhaus. Mittlerweile hat er es überstanden und ist auch wohlbehalten wieder zu Hause gelandet. Leider gibt es gegen Dengue- und Chinkungunya-Fieber, das hier auch einige hatten, noch keine Medikamente und keine Impfung. Der Virus wird von tagaktiven Moskitos übertragen und die Vermeidung von Stichen ist derzeit der einzigste Schutz dagegen.

       

Dreimal hatten wir auch Besuch von Freunden. Steffen war der erste und er begrüßte Bruno mit den Worten: „Jetzt bin ich 33 000 km meinem Frisör hinterher gefahren!“, denn er kam von Korea über Neuseeland und PhiPhi-Island, wo er zuvor 3 Wochen mit seinem Vater und Bruder verbracht hatte. Er blieb eine Woche, ließ sich die Haare schneiden und ist dann wieder nach Korea zurück. Dann kam Tobi aus Limburgerhof mit seiner On. Tobi hat in Deutschland alle Zelte abgebrochen und will nun erstmal in Thailand leben. Zuletzt kam Sarina, die wir 2007 in Australien kennen gelernt hatten. Dort hatten wir nur einen Abend miteinander verbracht, waren aber seither immer in Kontakt geblieben. Sie blieb 2 Wochen in denen wir uns nun richtig kennenlernen konnten und ist dann weiter zu ihrem Freund nach Phuket gefahren, der dort als Tauchlehrer arbeitet.

Mit allen haben wir eine schöne Zeit verbracht, aber alle haben wir auch wieder verabschiedet, standen winkend am Pier, hatten das Gefühl, dass wieder eine Ära zu Ende gegangen ist und sind dann zufrieden mit uns, dass wir noch bleiben dürfen, wieder in unser kleines gemütliches „Heim“ zurückgekehrt.

      

      

So vergingen die Tage und obwohl es wenig zu tun gab, war von Langeweile keine Spur.Täglich gab es neue Tiere, fliegend, kriechend oder krabbelnd, zu entdecken, das Meer hatte jeden Tag ein anderes Gesicht und immer wieder lernten wir neue Menschen kennen. Ich hab mir 1-2 mal die Woche eine gute Thai-Massage gegönnt und Bruno, der im Multi-Kulti- Restaurant am Pier einen Snookertisch entdeckt hatte, war immer auf der Suche nach Spielpartnern. Deutsche Bücher gab es genug, denn wir konnten immer tauschen und durch unseren Fernseher mit Empfang der deutschen Welle und natürlich übers Internet waren wir auch immer auf dem neusten Stand der Weltnachrichten. Japan hat uns betroffen gemacht und auch geängstigt- hoffentlich kommt keine radioaktive Wolke zu uns – und gefreut haben wir uns über den Wahlausgang der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Ein paar mal mussten auch wir die Insel verlassen. Das erste mal kurz vor Silvester für drei Tage, denn da, das war von vornherein klar, hatte Dimitri unseren Bungalow schon anderweitig vermietet. Wir blieben in dieser Zeit in Ranong bei Jens, einem Deutschen der dort ein Gästehaus hat, besuchten die dortigen heißen Quellen und Jens zeigte uns auf einer Tagestour die schöne Umgebung der Stadt. Jens hat mit Dick, seiner thailändischen Partnerin, eine 1 ½ jährige Tochter, Monika, in die sich Bruno sofort verliebt hat. Bruno hat mittlerweile sogar schon über Kindesentführung nachgedacht, denn er ist regelrecht vernarrt in die Kleine.

       

       

Dann mussten wir in Ranong unsere 2-Monats-Visa auf der Einwanderungsbehörde um einen Monat verlängern und nach drei Monaten auch einen Visa-Run in das angrenzende Burma machen, um wieder für 2 Monate bleiben zu können. Der Visa-Run ist überhaupt kein Problem, an einem Tag zu erledigen, denn man fährt von Ranong aus mit dem Boot ins Nachbarland, bekommt in Burma einen Ein- und gleichzeitig einen Ausreisestempel in den Pass, geht was essen und reist anschließend wieder in Thailand ein.
Darüber hinaus mussten wir auch ein paar mal in Ranong Geld holen, denn auf der Insel gibt es noch keinen Geldautomaten und da wir immer wieder unplanmäßig unseren Aufenthalt verlängert haben, brauchten wir ab und zu Nachschub.

Mit der Zeit lernten wir auch immer mehr die Inselbewohner kennen. Zuletzt kannten uns fast alle und wir sind nur noch grüßend um die Insel gefahren. Wir wussten dann auch in welchem der drei kleinen Einkaufsmärkten es die günstigsten Produkte gab und wo das Essen gut war. So gibt es die besten Grillhähnchen bei einer Mama am Straßenrand (wenn man es nicht weiß, fährt man dort einfach vorbei, weil es kaum als Restaurant zu erkennen ist), aber man kann auf der Insel auch Wiener-Schnitzel, Bratwurst und Rindergulasch, sowie Pizza und gute Spaghetti in einem der von Falangs betriebenen Restaurants essen. (Falangs heißen die Ausländer in Thailand). Auch bei Dimitri gab's gutes Essen. Er ist Koch aus Leidenschaft, räuchert seinen Schinken selbst, macht gute Bratwürste, backt selbst Schwarzbrot und sein Frischkäse mit Kräutern ist lecker. Als jüdischer Russe hat er auch in Israel gelebt und so stehen neben russischen, thailändischen und mexikanischen auch viele arabische Gerichte auf seiner Speisekarte. Sein thailändischer Schwiegervater bringt regelmäßig selbst gefangenen frischen Fisch und Krebse und Riesengarnelen, die nicht aus einer Zuchtfarm kommen. Also auch in kulinarischer Hinsicht waren wir hier bestens versorgt. Neben dem leckeren und scharfen Thai -Essen wurden auch unsere europäischen Gaumen verwöhnt. Es fehlte uns an nichts.

       

Ende März leerte sich die Insel zusehends, denn ab Mai beginnt so langsam die Regenzeit. Die ganze „Rollkoffer-Fraktion“ war als erstes weg und zurück blieben nur noch die „Hardcore-Langzeit-Traveler“. Man traf sich öfter am Pier, tauschte den neusten Inseltratsch aus und Bruno genoss seine täglichen Einkaufsfahrten bei der er auch immer irgendwo ein Schwätzchen halten konnte.

Und dann begann es zu regnen. Es regnete und regnete, ohne Unterlass, Tag und Nacht, über eine Woche lang. Gleichzeitig sank die Temperatur auf etwa 22 Grad, was uns gleichsam eiskalt vorkam. Wir mussten unsere Pullis und Socken aus dem Rucksack kramen und alles fühlte sich feucht und klamm an, sogar unser Bett. Dimitri bot uns am 3. Tag den Umzug in einen seiner Luxusbungalows an, denn da gab es warmes Wasser zum Duschen. Welch eine Wohltat.
Eine Kaltwelle war von China gekommen und ganz Südthailand versank im Wasser. Zum Glück hatte Bruno sich kurz zuvor mal wieder durchgesetzt und unsere Weiterreise nach Koh Samui verhindert, denn dort muss es ganz schlimm gewesen sein. Durch Erdrutsche sind Menschen ums Leben gekommen, die Straßen waren unpassierbar überschwemmt, die Boote zum Festland sind wegen des hohen Wellengangs nicht mehr gefahren und auch der Flughafen war durch einen Stromausfall lahmgelegt. Viele Touristen, vor allem auch auf den kleineren Inseln Koh Tao und Koh Phangan kamen nicht mehr weg. Schließlich hat das thailändische Militär die Menschen, zum Teil sogar mit dem Hubschrauber, geholt. Auf Koh Surin und Similan, 2 kleine Inseln hier ganz in der Nähe, saßen über 100 Touristen sogar drei Tage lang ohne Essen fest.
Hier, auf Koh Phayam ist nichts dergleichen passiert. Hier gibt es noch kaum versiegelte Flächen, die Berge sind nicht abgeholzt und so konnte das viele Wasser gut vom Boden aufgenommen werden und hat die ganzen Süßwasser-Reservoirs der Insel mal wieder so richtig aufgefüllt.

Mittlerweile sind der Himmel und das Meer wieder blau, die Sonne scheint, das Thermometer ist wieder auf 33 Grad gestiegen und wir können weiter in unserem super Bungalow bleiben. Internet funktioniert auch auf unserem Balkon, so dass wir uns ab und zu sogar einen „Tatort“ aus dem deutschen Fernsehen runterladen können. So hat uns der Regen ein bisschen mehr Komfort geschenkt. Man weiß eben nie, wozu etwas gut ist.

       

Unser Thailand-Visum haben wir nun zum letzten mal in Ranong um 4 Wochen verlängert, und wollen noch bis zum 30.4. auf unserem Trauminselchen bleiben, denn im Moment ist das buddhistische Neujahr, d.h. alle Thais haben Urlaub und alle Busse und Züge sind ausgebucht. Dann steht Ostern vor der Tür, d.h. die Europäer machen Urlaub und erst danach wird es wieder etwas ruhiger werden in Thailand. Wir wollen dann doch noch nach Koh Samui, wo sich die Lage inzwischen wieder normalisiert hat, um unsere Freunde Goi und Au zu besuchen und uns mit Bene, die aus der Schweiz kommt, zu treffen und dann werden wir spätestens am 13.Mai das Land Richtung Malaysia und Borneo verlassen. So ist der Plan -  wenn Bruno mit spielt.

Auf jeden Fall haben wir eine unvergesslich schöne Zeit auf unserem kleinen Trauminselchen verbracht. Wir lebten völlig unbeschwert und sehr entspannt inmitten einer wunderschönen Natur und hatten doch allen Komfort den wir uns wünschen können. Unser Plan einen guten Platz zum Überwintern zu finden ist damit voll aufgegangen. Bleibt nur zu hoffen, dass Koh Phayam noch einige Jahre seine schöne Ursprünglichkeit behält und vom Massentourismus verschont wird. Aber das ist wohl doch nur ein Traum. Wir haben dieses kleine Juwel jedenfalls sehr genossen und waren ganz bestimmt nicht zum letzten Mal hier.